Bestandsvermessung fuer CAD - Methoden und Ablauf
Die Bestandsvermessung für CAD erfasst ein vorhandenes Gebäude oder Grundstück messtechnisch und überführt die Ergebnisse in ein CAD-taugliches Format wie DWG oder in ein BIM-Modell nach IFC. Welche Methode zum Einsatz kommt, richtet sich nach der geforderten Genauigkeit: Handaufmaß bewegt sich in der Regel im Zentimeterbereich, die tachymetrische Aufnahme im Millimeterbereich und terrestrisches Laserscanning je nach Gerät und Entfernung im Millimeter- bis Submillimeterbereich. Damit das Ergebnis belastbar ist, sollten die geforderte Genauigkeit und die zulässige Toleranz bereits im Angebot ausgewiesen und die Aufnahme vor Ort sorgfältig vorbereitet werden.
Ablauf: von der Aufnahme vor Ort zum CAD-Bestandsplan
Die Bestandsvermessung, auch Bestandsaufnahme oder Gebäudeaufmaß genannt, erfasst die vorhandene Bausubstanz nach Lage, Höhe und Geometrie und bildet die Grundlage für Umbau, Sanierung, Erweiterung, Dokumentation oder Facility Management. Der Ablauf gliedert sich in der Regel in vier Schritte: Vorbereitung und Recherche vorhandener Unterlagen, die eigentliche Aufnahme vor Ort, die Auswertung beziehungsweise Registrierung der Messdaten sowie die Erstellung des CAD- oder BIM-Bestandsmodells mit anschließender Qualitätssicherung.
Für Vermessungsleistungen im Bauwesen gibt die Normenreihe DIN 18710 einen allgemeinen Rahmen vor. Teil 1 (DIN 18710-1:2010-09) formuliert allgemeine Anforderungen an Genauigkeit, Bezugssysteme und Nachweisdokumentation, weitere Teile behandeln die Aufnahme, die Absteckung und die Überwachung. Ein sauberer Ablauf legt daher vorab fest, in welchem Bezugssystem gemessen wird, welche Genauigkeit gefordert ist und wie das Ergebnis dokumentiert und übergeben wird.
Am Ende steht die Übergabe in einem vereinbarten Format, etwa als 2D-Bestandsplan in DWG oder DXF oder als 3D- beziehungsweise BIM-Modell. Vor der Freigabe gehört ein Soll-Ist-Abgleich dazu: Das abgeleitete Modell wird gegen die Messdaten geprüft, damit belegbar ist, wie genau der Plan die erfasste Realität abbildet.
- Bestandsvermessung erfasst vorhandene Bausubstanz nach Lage, Höhe und Geometrie
- Typischer Ablauf: Vorbereitung, Aufnahme vor Ort, Auswertung, CAD-/BIM-Modellierung
- DIN 18710 gibt Anforderungen an Genauigkeit, Bezugssystem und Dokumentation vor
- Bezugssystem, Genauigkeit und Zielformat vor Beginn klären
- Abschluss mit Soll-Ist-Abgleich vor Freigabe des Bestandsplans
Methoden und Genauigkeitsklassen: Handaufmaß, Tachymeter, 3D-Scan
Das Handaufmaß mit Zollstock, Maßband oder Laserdistanzmesser ist schnell und günstig und eignet sich für kleine, überschaubare Objekte. Die erreichbare Genauigkeit liegt in der Regel im Zentimeterbereich, und bei verwinkelten oder verformten Bauten steigt das Risiko von Aufmaß- und Übertragungsfehlern. Für einfache Grundrisse kann es genügen, für belastbare Planungsgrundlagen komplexer Gebäude stößt es an Grenzen.
Die tachymetrische Aufnahme mit einer Totalstation misst gezielt einzelne Punkte und erreicht typischerweise Genauigkeiten im Millimeterbereich. Sie arbeitet mit Lage- und Höhenfestpunkten als Referenz und eignet sich, wenn nur wenige, dafür präzise Punkte benötigt werden, etwa für Kontrollpunkte, Fassadenraster oder den Lagebezug eines Objekts. Terrestrisches Laserscanning (TLS) erfasst dagegen flächig Millionen von Punkten als Punktwolke und dokumentiert jede Wand und jedes Detail lückenlos und nachprüfbar.
Für das Laserscanning werden je nach Objekt und Entfernung typische Genauigkeiten im Bereich von etwa 1 bis 3 mm genannt; hochauflösende Systeme erreichen im Nahbereich den Submillimeterbereich. Ergänzend kommen Photogrammetrie und Drohnenvermessung für Fassaden, Dächer und schwer zugängliche Bereiche zum Einsatz. Die Methodenwahl richtet sich nach der geforderten Genauigkeitsklasse, der Objektgröße und dem Detaillierungsgrad, nicht pauschal nach dem technisch Maximalen.
- Handaufmaß: in der Regel Zentimeterbereich, günstig, für kleine Objekte
- Tachymeter/Totalstation: Millimeterbereich, punktweise, mit Festpunktbezug
- Terrestrisches Laserscanning: flächig, typisch etwa 1 bis 3 mm, bis Submillimeter im Nahbereich
- Photogrammetrie und Drohne ergänzen bei Fassaden und schwer zugänglichen Bereichen
- Methode nach Genauigkeitsklasse, Objektgröße und Detaillierungsgrad wählen
Quellen: Laserscanning Europe — Klassische Vermessung oder terrestrisches Laserscanning: vergleicht tachymetrische Aufnahme und terrestrisches Laserscanning nach Erfassungsmethode und Genauigkeit und nennt für das Laserscanning typische Genauigkeiten im Bereich von etwa 1 bis 3 mm je nach Objekt und Entfernung , DIN 18710-1:2010-09 — Ingenieurvermessung, Teil 1: Allgemeine Anforderungen: legt allgemeine Anforderungen an Genauigkeit, Bezugssysteme und Nachweisdokumentation von Vermessungsleistungen im Bauwesen fest; die Reihe umfasst zudem Teil 2 (Aufnahme), Teil 3 (Absteckung) und Teil 4 (Überwachung)
Vorbereitung vor Ort: Zielmarken, Beleuchtung und Zugang
Die Qualität einer Bestandsvermessung entscheidet sich zu einem großen Teil vor Ort. Vorab sollten Umfang und Grenzen der Aufnahme, die geforderte Genauigkeit und die zu erfassenden Bereiche geklärt sein, damit keine Räume, Schächte oder Nebengebäude übersehen werden. Ein fester Ansprechpartner mit Ortskenntnis, der Zugang zu allen relevanten Bereichen verschafft, verkürzt die Aufnahme spürbar und vermeidet kostspielige Nachtermine.
Beim Laserscanning und bei der tachymetrischen Aufnahme werden mehrere Standpunkte über gemeinsame Bezugspunkte zusammengeführt. Dafür dienen Zielmarken beziehungsweise Passpunkte, die gut verteilt und stabil platziert werden, sowie ein Lage- und Höhenreferenznetz. Eine sorgfältige Verteilung der Verknüpfungspunkte ist die Voraussetzung für eine spannungsarme Registrierung der einzelnen Scans zu einer konsistenten Punktwolke.
Hinzu kommen praktische Bedingungen: ausreichende Beleuchtung, freie Sicht auf die zu erfassenden Flächen, geräumte und zugängliche Räume sowie geklärte Zutritts- und Schlüsselfragen. Glänzende, dunkle, nasse oder verspiegelte Oberflächen können beim Scannen Lücken hinterlassen und sollten vorab bekannt sein, damit ergänzende Messungen eingeplant werden können.
- Umfang, Grenzen und geforderte Genauigkeit der Aufnahme vorab festlegen
- Fester Ansprechpartner mit Zugang zu allen Räumen, Schächten und Nebengebäuden
- Zielmarken/Passpunkte und Referenznetz für die Registrierung der Standpunkte
- Beleuchtung, freie Sicht und geräumte Bereiche sicherstellen
- Glänzende, dunkle oder nasse Oberflächen vorab melden, da sie Lücken verursachen
Ergebnis: sauberer Bestandsplan in DWG und IFC
Ein sauberer Bestandsplan ist mehr als eine maßstäbliche Zeichnung. Er zeigt eine konsistente, geschlossene Geometrie, eine nachvollziehbare Layer- beziehungsweise Objektstruktur, korrekte Bemaßung sowie eindeutige Höhen- und Maßstabsangaben. Im 2D-Bereich ist DWG (oder das Austauschformat DXF) üblich; wird ein dreidimensionales, bauteilorientiertes Modell benötigt, entsteht ein BIM-Modell mit Wänden, Decken, Öffnungen und Bauteileigenschaften.
Für den herstellerneutralen Austausch von BIM-Modellen dient IFC (Industry Foundation Classes). IFC ist ein offenes openBIM-Format, das von buildingSMART gepflegt und als ISO 16739-1 veröffentlicht wird; die aktuelle Fassung ist ISO 16739-1:2024 (IFC 4.3). Über IFC lässt sich ein Bestandsmodell zwischen Programmen wie Revit, Archicad oder Allplan weitergeben, ohne an ein einzelnes CAD-System gebunden zu sein.
Flächen im Bestandsplan werden in Deutschland üblicherweise nach DIN 277:2021-08 (Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau) ermittelt, etwa Brutto-Grundfläche oder Nutzungsfläche. Eine belastbare Bestandsdokumentation ist zudem Voraussetzung für weitergehende Bewertungen: Die Richtlinie VDI 6200:2010-02 zur regelmäßigen Überprüfung der Standsicherheit von Bauwerken formuliert ausdrücklich Anforderungen an die Bestandsdokumentation, auf die eine solche Prüfung aufsetzen kann.
- Sauberer Plan: geschlossene Geometrie, klare Layer-/Objektstruktur, korrekte Bemaßung
- 2D als DWG oder DXF; 3D/BIM als bauteilorientiertes Modell
- IFC als offenes openBIM-Format, ISO 16739-1:2024 (IFC 4.3), gepflegt von buildingSMART
- Flächenermittlung in der Regel nach DIN 277:2021-08 (z. B. BGF, Nutzungsfläche)
- Bestandsdokumentation ist Basis für Standsicherheitsprüfungen nach VDI 6200:2010-02
Quellen: buildingSMART — Industry Foundation Classes (IFC): beschreibt IFC als offenes, herstellerneutrales openBIM-Datenformat für den Austausch von Bauwerksmodellen, veröffentlicht als ISO 16739-1 (aktuelle Fassung ISO 16739-1:2024, IFC 4.3) und gepflegt von buildingSMART , DIN 277:2021-08 — Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau: vereinheitlicht die Ermittlung von Grundflächen (zum Beispiel Brutto-Grundfläche, Nutzungsfläche) und Rauminhalten im Hochbau und ersetzt die frühere DIN 277-1:2016 , VDI 6200:2010-02 — Standsicherheit von Bauwerken, Regelmäßige Überprüfung: beschreibt die regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit von Bestands- und Neubauten, ordnet Bauwerke Schadensfolge- und Robustheitsklassen zu und formuliert Anforderungen an die Bestandsdokumentation
Toleranzen und Genauigkeit im Angebot festlegen
Genauigkeit ist keine feste Größe, sondern hängt von Methode, Objekt und Zweck ab. Deshalb sollte das Angebot nicht nur den Preis, sondern die messtechnischen Eckdaten ausweisen: das eingesetzte Messverfahren, die erreichbare Genauigkeit beziehungsweise zulässige Toleranz, das Bezugssystem, den Liefermaßstab, das Zielformat sowie den Detaillierungsgrad des Modells. So lässt sich später objektiv beurteilen, ob die Leistung dem Vereinbarten entspricht.
Als fachlicher Bezug für Genauigkeitsanforderungen und deren Nachweis dient die DIN 18710 zur Ingenieurvermessung. Sinnvoll ist, die Toleranz am Verwendungszweck auszurichten: Für eine grobe Machbarkeitsstudie genügt eine geringere Genauigkeit als für eine maßgenaue Umbau- oder Sanierungsplanung. Eine pauschal maximale Genauigkeit treibt den Aufwand unnötig, ohne dass sie für jeden Zweck gebraucht wird.
Zur Toleranzangabe gehört auch, was nicht enthalten ist. Verdeckte Bauteile, nicht zugängliche Bereiche oder hinter Verkleidungen liegende Konstruktionen können in der Regel nicht ohne Weiteres erfasst werden und sollten als Annahme oder Ausschluss benannt werden. Eine klare Abnahme über einen Soll-Ist-Abgleich rundet die vertragliche Absicherung ab.
- Angebot sollte Messverfahren, Genauigkeit/Toleranz und Bezugssystem ausweisen
- Zusätzlich Liefermaßstab, Zielformat (DWG, DXF, IFC) und Detaillierungsgrad angeben
- DIN 18710 als fachlicher Bezug für Genauigkeitsanforderungen und Nachweis
- Toleranz am Zweck ausrichten, nicht pauschal maximieren
- Nicht erfassbare, verdeckte Bereiche als Annahme oder Ausschluss benennen
Quellen: DIN 18710-1:2010-09 — Ingenieurvermessung, Teil 1: Allgemeine Anforderungen: legt allgemeine Anforderungen an Genauigkeit, Bezugssysteme und Nachweisdokumentation von Vermessungsleistungen im Bauwesen fest; die Reihe umfasst zudem Teil 2 (Aufnahme), Teil 3 (Absteckung) und Teil 4 (Überwachung) , Laserscanning Europe — Klassische Vermessung oder terrestrisches Laserscanning: vergleicht tachymetrische Aufnahme und terrestrisches Laserscanning nach Erfassungsmethode und Genauigkeit und nennt für das Laserscanning typische Genauigkeiten im Bereich von etwa 1 bis 3 mm je nach Objekt und Entfernung
Häufige Fragen zur Bestandsvermessung für CAD
Was ist der Unterschied zwischen Bestandsvermessung, Bestandsaufnahme und Gebäudeaufmaß?
Die Begriffe werden in der Praxis weitgehend synonym verwendet und meinen die messtechnische Erfassung vorhandener Bausubstanz. Gebäudeaufmaß betont dabei eher das einzelne Gebäude, während Bestandsvermessung häufig auch Lagebezug und Außenanlagen einschließt. Entscheidend ist nicht der Begriff, sondern was vertraglich an Umfang, Genauigkeit und Zielformat vereinbart wird.
Welche Genauigkeit brauche ich für eine Umbau- oder Sanierungsplanung?
Für maßgenaue Umbau- und Sanierungsplanungen ist in der Regel eine Genauigkeit im Millimeterbereich sinnvoll, wie sie tachymetrische Aufnahme oder terrestrisches Laserscanning liefern. Ein Handaufmaß im Zentimeterbereich kann für einfache Grundrisse oder frühe Studien ausreichen. Die konkrete Anforderung sollte am Verwendungszweck ausgerichtet und im Angebot als Toleranz festgehalten werden.
Quellen: Laserscanning Europe — Klassische Vermessung oder terrestrisches Laserscanning: vergleicht tachymetrische Aufnahme und terrestrisches Laserscanning nach Erfassungsmethode und Genauigkeit und nennt für das Laserscanning typische Genauigkeiten im Bereich von etwa 1 bis 3 mm je nach Objekt und Entfernung , DIN 18710-1:2010-09 — Ingenieurvermessung, Teil 1: Allgemeine Anforderungen: legt allgemeine Anforderungen an Genauigkeit, Bezugssysteme und Nachweisdokumentation von Vermessungsleistungen im Bauwesen fest; die Reihe umfasst zudem Teil 2 (Aufnahme), Teil 3 (Absteckung) und Teil 4 (Überwachung)
Wie lange dauert eine Bestandsvermessung vor Ort?
Das hängt stark von Größe, Zugänglichkeit und geforderter Genauigkeit ab und lässt sich nicht pauschal beziffern. Terrestrisches Laserscanning erfasst große Objekte flächig oft in wenigen Standpunkten je Raum, während die Auswertung und Modellierung im Büro einen erheblichen Teil des Aufwands ausmachen. Eine gute Vorbereitung vor Ort verkürzt die Aufnahme spürbar.
Was bedeutet verformungsgerechtes Aufmaß?
Ein verformungsgerechtes Aufmaß bildet die tatsächliche, oft unregelmäßige Geometrie eines Bestandsbaus ab, statt sie zu idealisierten Rechtecken zu begradigen. Es ist besonders bei historischen oder gesetzten Gebäuden gefragt, deren Wände nicht mehr lot- und fluchtrecht sind. Terrestrisches Laserscanning eignet sich dafür, weil es Krümmungen und Schiefstellungen lückenlos erfasst.
Brauche ich für eine Standsicherheitsbewertung nach VDI 6200 eine Bestandsvermessung?
Die VDI 6200:2010-02 formuliert Anforderungen an die Bestandsdokumentation als Grundlage der regelmäßigen Überprüfung der Standsicherheit. Eine aktuelle, geometrisch belastbare Bestandsvermessung kann diese Dokumentation liefern beziehungsweise ergänzen. Die eigentliche statische Bewertung selbst ist Aufgabe qualifizierter Prüfer und geht über die reine Vermessung hinaus.