IFC oder DWG - was ist der Unterschied?
DWG ist ein Zeichnungsformat, IFC ein Datenmodell: DWG, nativ in AutoCAD, speichert Geometrie wie Linien, Layer und Blöcke, während IFC als offener, herstellerneutraler BIM-Standard Bauteile mit Eigenschaften und Beziehungen beschreibt. Der aktuelle IFC-Stand ist Version 4.3, veröffentlicht als internationale Norm ISO 16739-1:2024. Für reine 2D-Zeichnungen bleibt DWG sinnvoll, für datenreiche, gewerkeübergreifende BIM-Koordination ist IFC das passende Format.
DWG oder IFC: Zeichnungsformat gegen Datenmodell
DWG und IFC beantworten unterschiedliche Fragen und stehen deshalb nur scheinbar in Konkurrenz. DWG ist das native Binärformat von AutoCAD und der De-facto-Standard für CAD-Zeichnungen. Es speichert Geometrie, Layer, Blöcke, Texte, Bemaßungen und Schraffuren kompakt in einer Datei. Eine Wand ist darin in der Regel eine Gruppe von Linien auf einem Layer wie A-WALL, also eine Zeichnung, aber kein Objekt mit Bedeutung.
IFC (Industry Foundation Classes) ist dagegen ein offenes, herstellerneutrales und objektorientiertes Datenmodell für den BIM-Datenaustausch, standardisiert als ISO 16739-1:2024. Dasselbe Bauteil ist hier ein IfcWall mit Typ, Material, Eigenschaften und Beziehungen zu Geschoss und Raum. Der Kernunterschied lautet deshalb: DWG ist ein Zeichnungs- beziehungsweise Dokumentformat, IFC ein semantisches Datenmodell.
Aus dieser Trennung folgt die Werkzeugwahl. DWG eignet sich dort, wo präzise 2D-Geometrie gezeichnet, bearbeitet und zwischen CAD-Programmen ausgetauscht wird. IFC eignet sich dort, wo ein Modell gewerkeübergreifend koordiniert und mit Daten weitergegeben werden soll, also im openBIM-Prozess. Die Frage ist also nicht, welches Format besser ist, sondern ob Sie Geometrie oder strukturierte Bauwerksdaten austauschen wollen.
- DWG: natives AutoCAD-Binärformat für Zeichnungen (Geometrie, Layer, Blöcke, Text)
- IFC: offenes, herstellerneutrales Datenmodell nach ISO 16739-1:2024
- DWG speichert Geometrie, IFC speichert Objekte mit Bedeutung und Beziehungen
- DWG ist ein Dokument-, IFC ein Datenaustauschformat (openBIM)
- Wahl richtet sich danach, ob Geometrie oder Bauwerksdaten gebraucht werden
Quellen: ISO 16739-1:2024 — Industry Foundation Classes (IFC) for data sharing in the construction and facility management industries, Teil 1: Datenschema: zweite Ausgabe (Veröffentlichung März 2024) des internationalen IFC-Standards; definiert das offene Datenschema samt Property- und Mengenset-Definitionen sowie den Mechanismus der Model View Definitions und ergänzt die Abdeckung der Infrastruktur um Brücken, Straßen, Bahnanlagen, Wasserwege und Hafenanlagen , buildingSMART Technical — Industry Foundation Classes (IFC): Beschreibung des IFC als offenes, herstellerneutrales und objektorientiertes Datenmodell für den BIM-Datenaustausch (openBIM), standardisiert als ISO 16739-1:2024, im Unterschied zu reinen Geometrie- und Zeichnungsformaten
Welche Informationen IFC führt, die DWG nicht abbildet
Der entscheidende Mehrwert von IFC liegt in den Informationen jenseits der Geometrie. Während DWG im Kern Geometrie auf Layern transportiert, beschreibt IFC das Bauwerk als Hierarchie benannter Objekte: Projekt, Grundstück, Bauwerk, Geschoss, Raum und die darin verorteten Bauteile wie IfcWall, IfcDoor oder IfcSpace. Jedes Objekt trägt einen definierten Typ und kann klassifiziert werden, etwa nach einem Klassifikationssystem.
Diesen Objekten sind Eigenschaften in standardisierten Property-Sets (Psets) zugeordnet, zum Beispiel Pset_WallCommon mit Angaben wie Feuerwiderstand, tragend oder innen beziehungsweise außen. Hinzu kommen Mengen (Base Quantities), Beziehungen zwischen Bauteilen sowie die räumliche Verortung samt Georeferenzierung. Eine DWG kann solche Angaben allenfalls über Blockattribute oder Textkonventionen andeuten, nicht aber als standardisierte, maschinenlesbare Semantik führen.
Welcher Ausschnitt dieser Datenfülle tatsächlich übergeben wird, steuert eine Model View Definition (MVD), also eine definierte Teilmenge des IFC-Schemas für einen Anwendungsfall. Dadurch beantwortet ein IFC-Modell Fragen wie: Welchen Feuerwiderstand hat diese Wand, in welchem Raum und auf welchem Geschoss liegt sie. Eine reine DWG-Zeichnung kann das ohne manuelle Zusatzkonventionen nicht leisten.
- Objektstruktur: Geschoss, Raum und Bauteile als benannte IFC-Objekte statt Linien
- Property-Sets (Psets): zum Beispiel Feuerwiderstand, tragend, innen oder außen
- Mengen, Beziehungen und Georeferenzierung sind Teil des Modells
- DWG bildet solche Semantik nativ nicht ab, nur Geometrie und Darstellung
- MVD bestimmt, welcher Datenausschnitt je Anwendungsfall ausgetauscht wird
Quellen: buildingSMART Technical — Industry Foundation Classes (IFC): Beschreibung des IFC als offenes, herstellerneutrales und objektorientiertes Datenmodell für den BIM-Datenaustausch (openBIM), standardisiert als ISO 16739-1:2024, im Unterschied zu reinen Geometrie- und Zeichnungsformaten , Autodesk IFC Manual — Model View Definitions (MVD): erläutert die MVD als Teilmenge des IFC-Schemas für einen bestimmten Anwendungsfall und beschreibt die IFC4-Sichten Reference View (Koordination) und Design Transfer View (Modellübergabe zwischen Werkzeugen)
Welche IFC-Version aktuell verbindlich ist
Die aktuelle Fassung ist IFC 4.3, veröffentlicht als internationale Norm ISO 16739-1:2024 (zweite Ausgabe, Veröffentlichung März 2024), die die vorangegangene Ausgabe ablöst. Verbindlich im strengen Sinn ist eine Version allerdings selten per Gesetz, sondern meist über den Vertrag beziehungsweise den BIM-Abwicklungsplan (BAP) eines Projekts. Als aktuelle normative Referenz gilt jedoch ISO 16739-1:2024.
IFC 4.3 erweitert das Datenmodell ausdrücklich um die Infrastruktur und deckt neben dem Hochbau nun auch Brücken, Straßen, Bahnanlagen, Wasserwege und Hafenanlagen samt Trassierung (Alignment) ab. Der Umfang ist entsprechend groß, mit über 1300 Entitäten und rund 2500 Eigenschaften. In der Praxis werden je nach Werkzeug und Projekt weiterhin ältere Stände wie IFC2x3 oder IFC4 ausgetauscht, weshalb die zu liefernde Version in der Regel vorab zu vereinbaren ist.
Für die Werkzeugwahl ist die Zertifizierung relevant: buildingSMART International betreibt ein Programm, das die IFC-Import- und -Exportfähigkeit von Software gegen definierte Anwendungsfälle beziehungsweise MVDs prüft. Ein Zertifikat kann ein Hinweis auf verlässliche Schnittstellen sein, ersetzt aber keine projektbezogene Prüfung des tatsächlichen Austauschs.
- Aktueller Stand: IFC 4.3 als ISO 16739-1:2024 (zweite Ausgabe, März 2024)
- Verbindlichkeit meist über Vertrag und BIM-Abwicklungsplan, nicht per Gesetz
- IFC 4.3 erweitert um Infrastruktur: Brücken, Straßen, Bahn, Wasserwege, Häfen, Alignment
- In der Praxis oft noch IFC2x3 oder IFC4; Version vorab vereinbaren
- buildingSMART-Zertifizierung prüft Import und Export gegen definierte MVDs
Quellen: ISO 16739-1:2024 — Industry Foundation Classes (IFC) for data sharing in the construction and facility management industries, Teil 1: Datenschema: zweite Ausgabe (Veröffentlichung März 2024) des internationalen IFC-Standards; definiert das offene Datenschema samt Property- und Mengenset-Definitionen sowie den Mechanismus der Model View Definitions und ergänzt die Abdeckung der Infrastruktur um Brücken, Straßen, Bahnanlagen, Wasserwege und Hafenanlagen , buildingSMART International — Use Case und Software Certification: Programm, das die IFC-Import- und -Exportfähigkeit von Software gegen definierte Anwendungsfälle beziehungsweise Model View Definitions prüft und zertifiziert
Für welche Anwendungsfälle DWG die richtige Wahl bleibt
DWG ist kein Auslaufmodell, sondern für bestimmte Aufgaben weiterhin das zweckmäßigste Format. Überall dort, wo es um reine 2D-Zeichnung geht, etwa Grundriss-, Schnitt- und Detailpläne, Werk- und Montagezeichnungen oder Schemata, liefert DWG präzise Geometrie ohne den Overhead eines Datenmodells. Wenn keine Objektsemantik gebraucht wird, ist IFC hier eher hinderlich als hilfreich.
Auch für den direkten CAD-zu-CAD-Austausch innerhalb der AutoCAD-Welt, für die Weiterverarbeitung von Bestands- und Altdaten sowie für viele mechanische oder planungsnahe 2D-Aufgaben bleibt DWG der pragmatische Standard, weil es nahezu universell lesbar und kompakt ist. Für den reinen Zeichnungsaustausch wird häufig zusätzlich DXF als offenere Variante oder PDF für die reine Weitergabe genutzt.
In BIM-Projekten schließen sich beide Welten nicht aus. Üblich ist, das Modell datenreich zu bearbeiten, es für die Koordination als IFC auszutauschen und zugleich 2D-Ableitungen als DWG oder PDF zu liefern. Die Formatwahl folgt damit dem Zweck: Datenmodell für Koordination und Auswertung, Zeichnungsformat für die planliche Ausgabe.
- Reine 2D-Zeichnung: Grundrisse, Schnitte, Detail-, Werk- und Montagepläne
- Direkter CAD-zu-CAD-Austausch in der AutoCAD-Welt, oft ergänzt durch DXF
- Bestands- und Altdaten sowie mechanische oder planungsnahe 2D-Aufgaben
- DWG ist kompakt, präzise und nahezu universell in CAD lesbar
- In BIM-Projekten oft parallel: IFC zur Koordination, DWG oder PDF als Ableitung
Wie ein sauberer IFC-Export aus Revit oder ArchiCAD aussieht
Ein brauchbarer IFC-Export ist das Ergebnis bewusster Einstellungen, nicht der Standardausgabe. Zuerst werden das Schema beziehungsweise die Version (etwa IFC2x3, IFC4 oder IFC 4.3) und die passende MVD für den Anwendungsfall des Empfängers gewählt. Diese Wahl sollte sich an der vereinbarten Lieferung orientieren, da eine zu umfangreiche oder unpassende Sicht das Zielmodell unnötig belastet oder Informationen verliert.
Danach steht das Mapping im Mittelpunkt: In Revit werden Kategorien und Familien über die IFC-Export-Konfiguration korrekten IfcEntities und IfcTypes zugeordnet, Eigenschaften über die gemeinsamen Psets sowie bei Bedarf über eine benutzerdefinierte Zuordnungsdatei exportiert und Basismengen aktiviert. In ArchiCAD übernimmt diese Steuerung der IFC-Translator mit seinen Konvertierungsvoreinstellungen für Schema, Elementfilterung und Eigenschaftszuordnung. In beiden Fällen gehören eine saubere Klassifizierung sowie korrekt gesetzte Projekt- beziehungsweise Vermessungskoordinaten und die Georeferenzierung dazu.
Zum Schluss steht die Kontrolle: Das Ergebnis wird in der Regel in einem unabhängigen IFC-Viewer oder mit einem Prüfwerkzeug geöffnet, bevor es übergeben wird. So lassen sich fehlende Eigenschaften, falsch zugeordnete Objekte oder verschobene Koordinaten erkennen, solange eine Korrektur noch günstig ist.
- Schema und Version (IFC2x3, IFC4, IFC 4.3) sowie passende MVD bewusst wählen
- Revit: Kategorien über die IFC-Export-Konfiguration auf IfcEntities und IfcTypes mappen
- ArchiCAD: IFC-Translator steuert Schema, Elementfilter und Eigenschaftszuordnung
- Psets, Basismengen, Klassifizierung und Georeferenzierung bewusst setzen
- Export vor der Übergabe in einem IFC-Viewer oder Prüfwerkzeug kontrollieren
Quellen: Graphisoft Archicad Help — Export IFC Model from Archicad / IFC Translators: dokumentiert den IFC-Export über den IFC-Translator mit Wahl des Schemas (IFC2x3 oder IFC4), Elementfilterung sowie Datenkonversion zu IFC-Eigenschaften und -Mengen , Autodesk IFC Manual — Model View Definitions (MVD): erläutert die MVD als Teilmenge des IFC-Schemas für einen bestimmten Anwendungsfall und beschreibt die IFC4-Sichten Reference View (Koordination) und Design Transfer View (Modellübergabe zwischen Werkzeugen)
Häufige Fragen zu IFC und DWG
Kann man eine DWG in IFC umwandeln?
Teilweise. Die Geometrie einer DWG lässt sich in ein IFC überführen, aber die DWG enthält in der Regel keine Objektsemantik, also keine Bauteile mit Eigenschaften und Beziehungen. Diese müssen beim Übergang neu vergeben werden, etwa indem Linien als IFC-Bauteile modelliert und mit Property-Sets versehen werden. Eine reine Formatkonvertierung erzeugt daher noch kein vollwertiges BIM-Modell.
Ersetzt IFC das DWG-Format?
Nein, beide Formate bestehen in der Regel nebeneinander. IFC ist für den datenreichen, gewerkeübergreifenden Modellaustausch gedacht, DWG für präzise 2D-Zeichnungen und den CAD-zu-CAD-Austausch. In vielen Projekten wird das Modell als IFC koordiniert, während planliche Ableitungen weiterhin als DWG oder PDF geliefert werden.
Was ist eine Model View Definition (MVD)?
Eine MVD ist eine definierte Teilmenge des IFC-Schemas für einen bestimmten Anwendungsfall; sie legt fest, welche Objekte und Eigenschaften ausgetauscht werden. Für IFC4 sind unter anderem der Reference View für die Koordination (etwa Kollisionsprüfung) und der Design Transfer View für die Modellübergabe zwischen Werkzeugen definiert. Die MVD entscheidet damit über den Informationsgehalt eines IFC-Exports.
Welche IFC-Version sollte ich exportieren?
Das hängt vom Empfänger und von der Vereinbarung ab. Die aktuelle Norm ist IFC 4.3 (ISO 16739-1:2024), in der Praxis werden je nach Software aber weiterhin IFC2x3 oder IFC4 verlangt. Für Infrastrukturprojekte wie Straßen, Bahn oder Brücken ist IFC 4.3 die passende Wahl. Klären Sie Schema und MVD in der Regel vorab im BIM-Abwicklungsplan.
Quellen: ISO 16739-1:2024 — Industry Foundation Classes (IFC) for data sharing in the construction and facility management industries, Teil 1: Datenschema: zweite Ausgabe (Veröffentlichung März 2024) des internationalen IFC-Standards; definiert das offene Datenschema samt Property- und Mengenset-Definitionen sowie den Mechanismus der Model View Definitions und ergänzt die Abdeckung der Infrastruktur um Brücken, Straßen, Bahnanlagen, Wasserwege und Hafenanlagen , Graphisoft Archicad Help — Export IFC Model from Archicad / IFC Translators: dokumentiert den IFC-Export über den IFC-Translator mit Wahl des Schemas (IFC2x3 oder IFC4), Elementfilterung sowie Datenkonversion zu IFC-Eigenschaften und -Mengen
Was bescheinigen buildingSMART-Zertifikate?
Das Zertifizierungsprogramm von buildingSMART International prüft, ob eine Software IFC-Daten gegen definierte Anwendungsfälle beziehungsweise MVDs korrekt importieren und exportieren kann. Ein Zertifikat kann ein Anhaltspunkt für verlässliche Schnittstellen sein, ersetzt jedoch keine projektbezogene Kontrolle des konkreten Austauschs. Es gilt immer für die geprüfte Version und den geprüften Anwendungsfall.