BIM-Koordination oder BIM-Modellierung - wo liegt der Unterschied?
BIM-Modellierung und BIM-Koordination sind zwei getrennte Leistungen: Die Modellierung erstellt die geometrisch und alphanumerisch ausgearbeiteten Fachmodelle einer Disziplin, während die Koordination diese Fachmodelle zu einem Koordinationsmodell zusammenführt, auf Kollisionen prüft und den Informationsaustausch steuert. Vereinfacht gilt: Die Modellierung liefert die Inhalte, die Koordination sichert deren Zusammenspiel. Für die Kollisionsprüfung sind Werkzeuge wie Autodesk Navisworks Manage und Solibri etabliert, das Rollengefüge dahinter beschreibt die Normenreihe EN ISO 19650.
BIM-Modellierung und BIM-Koordination: zwei getrennte Leistungen
BIM-Modellierung und BIM-Koordination bezeichnen zwei unterschiedliche Leistungen innerhalb derselben BIM-Methode, die in der Praxis häufig vermischt werden. Die Modellierung erstellt das einzelne Fachmodell einer Disziplin, etwa Architektur, Tragwerk oder technische Gebäudeausrüstung, mit der vereinbarten Geometrie und den geforderten alphanumerischen Informationen. Die Koordination dagegen führt die einzelnen Fachmodelle zu einem Koordinationsmodell zusammen und sorgt dafür, dass diese Modelle räumlich und inhaltlich zusammenpassen.
Vereinfacht liefert die Modellierung die Inhalte, während die Koordination deren Zusammenspiel sichert. Der Modellierer, in der ISO-Terminologie der Informationsautor, ist für die Qualität des eigenen Fachmodells verantwortlich; der Koordinator prüft die zusammengeführten Modelle auf Kollisionen, auf Einhaltung der Modellierrichtlinien und auf Vollständigkeit gegenüber den Vorgaben. Eine eigene Bauteilgeometrie erzeugt die Koordination dabei in der Regel nicht.
Auf kleinen Projekten kann dieselbe Person beide Aufgaben übernehmen, auf größeren Projekten sind sie klar getrennt. Entscheidend ist nicht, wer die Rolle ausfüllt, sondern dass die geschuldeten Leistungen, Schnittstellen und Übergabepunkte eindeutig beschrieben sind, üblicherweise im BIM-Abwicklungsplan (BAP) auf Grundlage der Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA).
- BIM-Modellierung: erstellt das Fachmodell einer Disziplin mit Geometrie und Informationen
- BIM-Koordination: führt die Fachmodelle zu einem Koordinationsmodell zusammen und prüft sie
- Modellierung liefert Inhalte, Koordination sichert deren räumliches und inhaltliches Zusammenspiel
- Die Koordination erzeugt in der Regel keine eigene Bauteilgeometrie
- Leistungen und Schnittstellen werden üblicherweise im BAP auf Basis der AIA festgelegt
Quellen: BIM Deutschland - Glossar: Begriffssammlung des nationalen BIM-Kompetenzzentrums; definiert die Rollen BIM-Manager, BIM-Gesamtkoordinator und BIM-Fachkoordinator und ordnet sie den Funktionen Informationsmanager, Informationskoordinator, Informationsautor und Informationsnutzer nach VDI 2552 Blatt 7 und DIN EN ISO 19650-1 zu , DIN EN ISO 19650-1 (Ausgabe 2019-08) und DIN EN ISO 19650-2 (Ausgabe 2019-08) - Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken und Ingenieurbauten, Informationsmanagement mit BIM: deutsche Übernahme der ISO 19650:2018; Teil 1 regelt Begriffe und Grundsätze, Teil 2 die Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase, und weist das Informationsmanagement als Funktion zwischen Auftraggeber, federführender und beauftragter Partei zu, ohne Stellenbezeichnungen vorzugeben
Welche Aufgaben die Modellierung abdeckt und welche die Koordination
Die BIM-Modellierung umfasst das Erstellen und Pflegen des Fachmodells in einer Autorensoftware wie Revit, Archicad, Allplan oder Tekla Structures. Dazu gehören die geometrische Ausarbeitung bis zum vereinbarten Ausarbeitungsgrad, das Hinterlegen der geforderten Attribute wie Material, Bauteiltyp oder Klassifizierung sowie die Einhaltung der im Projekt festgelegten Modellier- und Benennungsregeln. Der Modellierer stellt sein Modell anschließend in der Regel als IFC-Datei in der gemeinsamen Datenumgebung (CDE) bereit.
Die BIM-Koordination beginnt dort, wo die Fachmodelle zusammenlaufen. Typische Aufgaben sind das Zusammenführen der Teilmodelle zu einem Koordinationsmodell, die Kollisionsprüfung, die Moderation von Koordinationsbesprechungen, das Führen und Zuweisen von Konflikten und Aufgaben sowie die Qualitätssicherung gegenüber dem BAP vor jeder Freigabe. Der Koordinator achtet außerdem darauf, dass Koordinatensysteme, Strukturierung und Datenqualität über alle Gewerke hinweg konsistent sind.
Zwischen beiden Leistungen verläuft ein wiederkehrender Kreislauf: Der Koordinator findet im zusammengeführten Modell einen Konflikt, dokumentiert ihn als Issue, meist im offenen BCF-Format (BIM Collaboration Format), und weist ihn dem zuständigen Modellierer zu. Dieser korrigiert sein Fachmodell und liefert es erneut, woraufhin die Koordination den Punkt erneut prüft. Dieser Takt aus Modellieren, Prüfen und Nacharbeiten wiederholt sich bis zu den jeweiligen Projektmeilensteinen.
- Modellierung: Geometrie und Attribute im Fachmodell bis zum vereinbarten Ausarbeitungsgrad
- Modellierung: Einhaltung der Modellier- und Benennungsregeln, Export als IFC, Ablage in der CDE
- Koordination: Zusammenführen der Teilmodelle, Kollisionsprüfung und Qualitätssicherung gegen den BAP
- Koordination: Moderation der Besprechungen sowie Führen und Zuweisen von Konflikten
- Schnittstelle: Konflikte werden meist als BCF-Issue an den Modellierer zurückgespielt und nachgearbeitet
Quellen: BIM Deutschland - Glossar: Begriffssammlung des nationalen BIM-Kompetenzzentrums; definiert die Rollen BIM-Manager, BIM-Gesamtkoordinator und BIM-Fachkoordinator und ordnet sie den Funktionen Informationsmanager, Informationskoordinator, Informationsautor und Informationsnutzer nach VDI 2552 Blatt 7 und DIN EN ISO 19650-1 zu , DIN EN ISO 19650-1 (Ausgabe 2019-08) und DIN EN ISO 19650-2 (Ausgabe 2019-08) - Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken und Ingenieurbauten, Informationsmanagement mit BIM: deutsche Übernahme der ISO 19650:2018; Teil 1 regelt Begriffe und Grundsätze, Teil 2 die Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase, und weist das Informationsmanagement als Funktion zwischen Auftraggeber, federführender und beauftragter Partei zu, ohne Stellenbezeichnungen vorzugeben
Die Rolle des BIM-Managers und Koordinators nach EN ISO 19650
Die Normenreihe DIN EN ISO 19650, in Deutschland mit Teil 1 (Begriffe und Grundsätze) und Teil 2 (Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase) jeweils in der Ausgabe 2019-08, beschreibt das Informationsmanagement mit BIM. Wichtig zu wissen: Die Norm definiert keine Stellenbezeichnungen wie BIM-Manager oder BIM-Koordinator, sondern Funktionen und Verantwortlichkeiten zwischen Parteien, nämlich dem Auftraggeber (appointing party), der federführenden beauftragten Partei (lead appointed party) und den beauftragten Parteien (appointed party).
Die im deutschsprachigen Raum gebräuchlichen Rollen lassen sich auf diese Funktionen abbilden. Der BIM-Manager ist in der Regel auf Auftraggeberseite angesiedelt und übernimmt die strategisch-steuernde Funktion des Informationsmanagements, also das Definieren der Anforderungen sowie das Überwachen der Abwicklung. Der BIM-Gesamtkoordinator führt auf Auftragnehmerseite die fachübergreifende Modellkoordination und Qualitätssicherung, während der BIM-Fachkoordinator die Datenqualität auf Ebene einer einzelnen Disziplin verantwortet.
Nach der Terminologie von BIM Deutschland entsprechen diese Rollen den Funktionen Informationsmanager, Informationskoordinator und Informationsautor, ergänzt um den Informationsnutzer. Die Zuordnung ist eine Konvention der Praxis, keine starre Vorgabe der Norm: ISO 19650 verlangt, dass die Funktion des Informationsmanagements eindeutig zugewiesen ist, schreibt aber weder einen Titel vor noch, dass eine einzelne Person sie ausfüllt.
- DIN EN ISO 19650-1 und -2 (jeweils Ausgabe 2019-08) regeln das Informationsmanagement mit BIM
- Die Norm definiert Funktionen zwischen Parteien, nicht die Titel BIM-Manager oder BIM-Koordinator
- BIM-Manager: in der Regel auf Auftraggeberseite, strategisch-steuerndes Informationsmanagement
- Gesamtkoordinator: fachübergreifende Koordination; Fachkoordinator: Datenqualität je Disziplin
- BIM Deutschland ordnet die Rollen den Funktionen Informationsmanager, -koordinator, -autor und -nutzer zu
Quellen: DIN EN ISO 19650-1 (Ausgabe 2019-08) und DIN EN ISO 19650-2 (Ausgabe 2019-08) - Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken und Ingenieurbauten, Informationsmanagement mit BIM: deutsche Übernahme der ISO 19650:2018; Teil 1 regelt Begriffe und Grundsätze, Teil 2 die Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase, und weist das Informationsmanagement als Funktion zwischen Auftraggeber, federführender und beauftragter Partei zu, ohne Stellenbezeichnungen vorzugeben , BIM Deutschland - Glossar: Begriffssammlung des nationalen BIM-Kompetenzzentrums; definiert die Rollen BIM-Manager, BIM-Gesamtkoordinator und BIM-Fachkoordinator und ordnet sie den Funktionen Informationsmanager, Informationskoordinator, Informationsautor und Informationsnutzer nach VDI 2552 Blatt 7 und DIN EN ISO 19650-1 zu
Zertifikate und Weiterbildungen für BIM-Koordinatoren
Eine einheitliche, gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung zum BIM-Koordinator gibt es nicht; verbreitet ist jedoch die buildingSMART Professional Certification, ein international standardisiertes Qualifizierungsprogramm. Es umfasst in der Regel eine wissensorientierte Einstiegsstufe (Foundation) und eine anwendungsorientierte Aufbaustufe (Practitioner) für erfahrene Fachleute; die Prüfung erfolgt über zugelassene Weiterbildungsanbieter. Die genaue Stufenbezeichnung und der Zuschnitt können sich je nach Markt und Anbieter unterscheiden.
Im deutschsprachigen Raum haben der VDI und buildingSMART Deutschland eine gemeinsame Qualifizierung entwickelt, die auf der Richtlinienreihe VDI/bS 2552 Blatt 8.1 bis 8.3 aufsetzt. Blatt 8.1 (Qualifikationen, Basiskenntnisse, Ausgabe 2019-01) beschreibt die unterste von drei Kompetenzstufen und bildet die Grundlage für das gemeinsame buildingSMART/VDI-Zertifikat auf Basiskenntnis-Niveau. Darüber hinaus bieten Hochschulen sowie Industrie- und Handelskammern (IHK) eigene BIM-Kurse an.
Für die Praxis gilt: Das passende Zertifikat richtet sich nach der angestrebten Rolle. Ein BIM-Fachkoordinator benötigt vor allem fundierte Kenntnisse der Autoren- und Prüfsoftware sowie der Austauschformate, während ein BIM-Manager zusätzlich Steuerungs-, Vertrags- und Prozesskompetenz mitbringen sollte. Zertifikate belegen Grundlagenwissen, ersetzen aber keine Projekterfahrung; konkrete Preise, Dauer und Durchfallquoten hängen vom jeweiligen Anbieter ab.
- buildingSMART Professional Certification: international standardisiert, in der Regel Foundation und Practitioner
- Prüfung über zugelassene Weiterbildungsanbieter; der Zuschnitt variiert je nach Markt und Anbieter
- VDI und buildingSMART Deutschland: gemeinsame Qualifizierung nach VDI/bS 2552 Blatt 8.1 bis 8.3
- Blatt 8.1 (Ausgabe 2019-01) beschreibt die Basiskenntnis-Stufe von drei Kompetenzstufen
- Ergänzend: BIM-Kurse von Hochschulen und IHK; das passende Zertifikat richtet sich nach der Rolle
Quellen: buildingSMART Deutschland - Weiterbildung und Zertifizierung: Überblick zur buildingSMART Professional Certification (Stufen unter anderem Foundation und Practitioner) und zur gemeinsam mit dem VDI entwickelten Qualifizierung nach VDI/bS 2552 Blatt 8.1 bis 8.3; die Prüfung erfolgt über zugelassene Weiterbildungsanbieter , VDI/BS-MT 2552 Blatt 8.1 - Building Information Modeling: Qualifikationen, Basiskenntnisse (Ausgabe 2019-01): deutsche Richtlinie zur Qualitätssicherung von BIM-Weiterbildungen; beschreibt die unterste von drei Kompetenzstufen (Blatt 8.1 Basiskenntnisse, 8.2 vertiefende Kenntnisse, 8.3 Fertigkeiten) mit Kompetenzen, Lerninhalten und Rahmenbedingungen
Häufige Fragen zu BIM-Koordination und BIM-Modellierung
Kann eine Person Modellierung und Koordination zugleich übernehmen?
Auf kleinen Projekten kann dieselbe Person modellieren und koordinieren, weil der Abstimmungsaufwand gering ist. Auf größeren Projekten mit mehreren Gewerken werden die Aufgaben in der Regel getrennt, da die Koordination eine neutrale, gewerkeübergreifende Sicht erfordert und sonst Interessenkonflikte mit dem eigenen Fachmodell entstehen können. Maßgeblich ist, dass die Zuständigkeiten im BIM-Abwicklungsplan eindeutig geregelt sind.
Was ist der Unterschied zwischen einem hard clash und einem soft clash?
Ein hard clash (harter Konflikt) liegt vor, wenn sich zwei Bauteile geometrisch tatsächlich durchdringen, etwa ein Lüftungskanal und ein Unterzug. Ein soft clash oder Abstandskonflikt (Clearance) entsteht, wenn sich Bauteile zwar nicht überschneiden, aber einen geforderten Frei- oder Wartungsraum unterschreiten. In Werkzeugen wie Navisworks wird der zulässige Abstand über einen Toleranzwert festgelegt.
Navisworks Manage oder Solibri - welches Werkzeug eignet sich wofür?
Beide Werkzeuge führen IFC-basierte Modelle zusammen und tauschen Konflikte über BCF aus, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Navisworks Manage ist mit dem Clash Detective stark in der geometrischen Kollisionsprüfung großer Koordinationsmodelle und bietet mit TimeLiner zeitbezogene Prüfungen. Solibri ist auf die regelbasierte Modellprüfung spezialisiert und geht über reine Kollisionen hinaus bis zu Freiraum-, Vollständigkeits- und Qualitätsprüfungen. Häufig werden beide ergänzend eingesetzt.
Quellen: Autodesk - Navisworks Clash Detective (Hilfe): beschreibt das Kollisionsprüfwerkzeug Clash Detective, das nur in Navisworks Manage enthalten ist, das Testen zweier Auswahlmengen im zusammengeführten Modell, die Konflikttypen Hard, Clearance und Duplicates samt Toleranz, die zeitbezogene Prüfung über TimeLiner (4D) sowie Gruppierung, Statusverwaltung und Berichte einschließlich BCF-Export , Solibri - Clash Detection (BIM Quality Assurance): Produktseite zur regelbasierten Modell- und Kollisionsprüfung; prüft zusammengeführte IFC-Modelle gegen definierte Regelsätze, unterscheidet harte und weiche Konflikte sowie Freiraumprüfungen und verwaltet Konflikte über BCF-Issue-Management im openBIM-Workflow
Worin unterscheiden sich BIM-Koordinator und BIM-Gesamtkoordinator?
Der BIM-Fachkoordinator oder BIM-Koordinator verantwortet in der Regel die Datenqualität und Koordination innerhalb einer einzelnen Disziplin oder eines Gewerks. Der BIM-Gesamtkoordinator führt die Teilmodelle aller Gewerke zu einem Koordinationsmodell zusammen und verantwortet die fachübergreifende Prüfung und Qualitätssicherung. Die Abgrenzung ist eine Konvention der Praxis und sollte je Projekt im BAP konkretisiert werden.
Ist ein BIM-Koordinator gesetzlich vorgeschrieben?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, einen BIM-Koordinator zu bestellen, gibt es in Deutschland in der Regel nicht. Ob und in welcher Form die Rolle besetzt wird, ergibt sich aus dem Vertrag, den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und dem BIM-Abwicklungsplan (BAP). Bei öffentlichen Projekten können zusätzlich projekt- oder auftraggeberspezifische Vorgaben gelten.